<< Manche Menschen wissen gar nicht, wie tief die Stille ist.>>
Nicole Montag, 2004
Dieser Satz wurde anlässlich meines Laufbahncoachings Ende November 2004 geboren. Ich hatte ein paar sehr stillbewegte Monate hinter mir. Momente des Nichts. Momente des Sichfürnichtsentscheiden, Sichfürnichtsbegeistern, Sichfürnichtsfreuen können.
Auf die Frage, ob ich eine Tasse Kaffee oder einen Tee haben wolle, konnte ich nur antworten: “Ist egal, schmeckt doch alles gleich.”
Aus diesem Gleichheitsempfinden – oder anders ausgedrückt aus der Gleichgültigkeit – entstand die Idee, mich in der Tiefe mit dem “Tod” auseinanderzusetzen. Die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross, eröffneten mir neue Tore. Unangedachte Tore, undenkbare und unaussprechliche Tore, da der Tod in unserer Gesellschaft ein Tabuthema darstellt. Frau Kübler-Ross hat viele Menschen auf deren Weg des Sterbens begleitet und postulierte daraufhin ein Modell des Sterbeprozesses.
Der Sterbeprozess gliedert sich nach ihren Beobachtungen in 5 Phasen:
- Denial = Nichtwahrhabenwollen
- Anger = Zorn
- Bargaining = Verhandeln
- Depression = Auf sich selbst und nach innen gerichtete Wut & Agression
- Acceptance = Akzeptanz
Da ich in den Momenten des Gleichgültigkeitsmodus, jedoch hin und wieder einen Anflug von Lebenswillen erlebte, konnte ich zwar noch nicht auf die Frage: “was will ich jetzt beruflich tun”, jedoch sehrwohl Träume und Szenarien in Worte fassen, was ich mit 93 Jahren machen, wie ich leben und grundsätzlich sein wollte. Ich schrieb mein Leben somit vom gewünschten Ende, dem Lebensalter meiner Urgrossmutter Eva, zum Jetzt fort. Das hatte den unbeschreiblich befreienden Moment, als dass ich aus der Fülle des Alters schöpfen konnte, ohne mich in das Korsett der gesellschaftlichen Anforderungen, Verhaltensnormen, ethischen Grundsätze als auch meine derzeit vorherrschenden Werte zwängen zu müssen.
In der Retrospektive schreibe ich dem Burn-Out Erleben genau diese 5 markanten Schritte zu. Zudem bezeichne ich einen Burn-Out Prozess als den “kleinen Tod”. Wer in einem Burn-Out Erleben eben nur noch die Stille erlebt, dem bleibt gar keine andere Wahl als sich mit dem “Sinn des Lebens” auseinanderzusetzen.
“Sie wollen doch funktionieren”, das war der Satz, den die begleitende Ärztin prägte. Schlussendlich muss ich und will ich sagen: “Ja, ich möchte ein lebenswertes Leben führen und nein, ich will nicht funktionieren.” Um zu dieser wirklich tiefgreifenden Weltansicht zu gelangen, benötigte ich die Stille. Die lähmende Stille, die angsterfüllte Stille, die leere Stille, die geschmacklose Stille, die tonnenschwere Stille, die nichtaufhörenwollende Stille. Ich wurde auf den “ground zero” meines Seins zurückgeworfen. Ob ich das nun wollte oder nicht. Und der einzige Ausweg war, das zu akzeptieren was ist.
Ich wünsche Ihnen ein paar freigewählte stille Momente,
herzlich,
Nicole Montag, Burn-Out Scout



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