8.    Sind Sie ein risikofreudiger oder eher ein risikoaverser Zeitgenosse? Warum?

Ich hätte lange, sehr lange sogar, von mir behauptet ich wäre risikoavers. Das rührt wohl daher, dass ich schon immer die Tätigkeit ausübte, die ich mit Freude mache. Jedoch merke ich heute, dass ich ein Risikofreudiger bin. Ausserdem bin ich im Lauf der Zeit mutiger geworden und schreibe das meinen Niederlagen und meinen „eins aufs Dach bekommen” Erlebnissen zu. Das Stärker werden hat mich auch mutiger gemacht.

Heute bin ich deutlich weniger ängstlich als früher, ich habe mir immer Sorgen gemacht, meine Sicherheit zu verlieren. Und dennoch habe ich immer wieder einen weiteren Schritt gewagt und nach diesem wieder einen. Heute denke ich: „Wenn es schief geht, mache ich etwas anderes”. Die Angst an sich habe ich nicht mehr in der Form, wie ich sie früher erlebt habe. Gleichwohl spreche ich aus einer privilegierten Position heraus. Ich muss keine Kinder ernähren, ich kümmere mich in erster Linie ausschliesslich um meine Firma, um mich, um meinen Lebenspartner, meine Freunde, meine Familie. So kann ich möglicherweise Risiken leichter eingehen.

Heute habe ich nicht mehr Angst, dass alles untergehen könnte. Ich bin mir auch bewusst, dass ich mit weniger Mitteln auskommen kann. Ich habe glücklicherweise sehr wenig Luxus in meinem Leben und ich denke, dass ich auch nicht viel Luxus in meinem Leben zum Glücklichsein benötige. Wichtig sind mir Freunde, ein gutes Umfeld und ein Dach über dem Kopf. Und so nehme ich an, dass mir sicherlich eine andere Tätigkeit einfallen würde, wenn meine Geschäftsidee nicht funktionieren sollte. Heute bin ich in der Lage, zu wissen, was ich kann und vertraue mir und meinen Fähigkeiten mehr als früher.

9.    Was, Herr Rohr, hat Sie das Leben bisher gelehrt?

Viel! Je selbstbestimmter ich lebe, desto glücklicher bin ich. Das ist nicht nur meine alleinige Erkenntnis, ich denke, Herr Maslow mit seiner Bedürfnispyramide hat dies schon treffend beschrieben. Das Schöne ist, dass ich das schon am eigenen Leib erfahren habe. Folglich muss das Ziel des Lebens sein, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, auch wenn man angestellt ist. Also nicht nur in gebückter und angstvoller Haltung zu arbeiten, denn in dieser Haltung kann ich weder glücklich noch selbstbestimmt sein. Ich würde empfehlen, anderen Menschen, Chefs und Autoritätspersonen auf Augenhöhe zu begegnen und an die eigene Kraft zu glauben. Ausserdem sollte man das einbringen was man kann, sofern man diesen Wert kennt, und bereit ist, diesen aus sich herauszuholen.

Das führt mich zu einem weiteren Punkt: ich denke, dass nur derjenige glücklich ist, der sein Leben lebt. Wenn ich nur mein Leben lebe, um den anderen zu gefallen oder eine Erwartung zu erfüllen, dann lebe ich nicht mein Leben.

Und der letzte Punkt wäre dann, zu sich zu stehen, zu den eigenen Fähigkeiten zu stehen, zu den eigenen Träumen, Wünschen und Sehnsüchten zu stehen. Das heisst logischerweise, anderen nicht immer zu gefallen, andere auch zu enttäuschen. Die längerfristig erfolgreichere Investition ist sicherlich „Das zu sich selbst stehen”, um das eigene Leben zu leben und sich somit lebendig ins eigene Leben zu leben.