Interview vom Freitag, 15. Mai 2009, Basel

1.    Guten Tag Herr Rohr, Sie sind der charismatischste Vertreter der ehemaligen Moderatoren des Schweizer Fernsehens, welches sind derzeit neben Ihrem Buch „So meistern Sie jedes Gespräch” Ihre Lieblingsprojekte?Ja, er ist es: Patrick Rohr

(*lacht) Also vorab ersteinmal: Ich fühle mich sehr geschmeichelt. Danke für dieses Kompliment. Und ja, es ist richtig, ich werde Ende Mai das Manuskript meiner Verlegerin zustellen. Im Buch „So meistern Sie jedes Gespräch” geht es darum, gute Gespräche miteinander zu führen. Grundlage dafür sind, das Zuhören und die Vertrauensbildung. Dieses spannende Projekt hat mich ziemlich absorbiert. Aber daneben, und das ist mein liebstes Langzeitprojekt, leite ich meine eigene Firma, in der ich als Geschäftsführer und daneben hauptsächlich als Kursleiter im Einsatz bin.

Seit dieser Woche bin ich mit meinen derzeit drei Festangestellten und den Teilzeitangestellten dabei, die strategische Neuausrichtung meiner Firma zu bestimmen. Wir werden ab Herbst ’09 eine „breitere” Strategie verfolgen, um von meiner Person als Hauptfokus etwas abzukommen, das heisst: meine Aufgaben als einziger Kursleiter und Referent werden auf das Team erweitert. Meine Teamkolleginnen und -kollegen werden also selbständig, und selbstverständlich in meinem Sinn, beraten und auch Kurse oder Kursteile leiten können. Wir haben so viele spannende und immer vielseitigere Anfragen aus den unterschiedlichsten Branchen, die ich aus Kapazitätsgründen – ich kann mich nicht vierteilen – nicht mehr alle persönlich bedienen kann. Selbstverständlich habe ich meine beiden Projektleiter, die mir fleissig zuarbeiten und mir so den Rücken freihalten, damit ich alle Projekte umsetzen kann, mir ist jedoch sehrwohl bewusst, dass diese Arbeitsweise nicht zukunftsträchtig ist, da ich so möglicherweise irgendwann ausgebrannt sein könnte, was selbstverständlich nicht mein Ziel ist.

Daher, wie schon erwähnt, die neue strategische Positionierung ab Herbst ’09, sodass wir ab diesem Zeitpunkt ein Kompetenzzentrum für Kommunikation sind. Dies erreichen wir mit den bestehenden und mit den neuen Teammitgliedern, die wir jetzt anstellen und somit bis im Herbst auf sechs Personen angewachsen sein werden.

2.    Das hört sich nach einem Mega-Pensum an. Wie gehen Sie mit diesen unterschiedlichen Anforderungen an Sie um und sitzen mir dennoch mit entspanntem Lächeln gegenüber?

Ich frage mich manchmal selbst, wie ich das schaffe und staune über die Möglichkeiten des menschlichen Ressourceneinsatzes, wenn man seine Aufgaben mit Freude ausführt. Ich glaube das ist der Schlüssel zum Ganzen. Seit ich meine eigene Firma habe, lebe ich ein viel selbstbestimmteres Leben. Ich arbeite zwar sehr viel viel viel mehr als vorher und ich arbeite ausserordentlich ‘multi-tasking’  – ich erledige also mehrere Sachen und Projekte gleichzeitig, was Frauen ja anscheinend besser können als Männer – , aber ich bin immer gerade, wo ich bin, voll und ganz, also mit all meinen Sinnen, deshalb sitze ich Ihnen wahrscheinlich so entspannt gegenüber.

Heute früh hatte ich beispielsweise eine Sitzung, um die Gesprächsleitung von heute Abend zu besprechen, ich habe nachher eine Sitzung mit einer Stiftung, bei der ich neu im Stiftungsrat bin. Zudem bin ich gerade dabei, drei neue Mitarbeiter einzustellen.  Am Mittwoch habe ich in Thun einen Kurs in „storytelling” gegeben. Am Tag davor ein Podium in Steffisburg geleitet. Dann bin ich dran mein Buch nochmals zu überarbeiten und bin sonst vor allem  als Trainer im Einsatz, ich leite also unsere Medientrainings und Rhethorikkurse, oft drei bis vier die Woche.

Es läuft alles parallel, häufig auch am Abend, wo ich noch Referate halte. Es läuft viel auf sehr vielen Ebenen, aber ich habe – und lassen Sie mich hier Holz anfassen – noch nicht das Gefühl einer Erschöpfung, weil ich, das was ich mache mit grosser Freude mache und jeden Tag als grosses Genschenk betrachte.

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